Wir haben es alle schon erlebt: Wir haben uns am Knie gestoßen und anschließend mit der Hand den Schmerz weg massiert. Wir haben gefroren und die kalte Haut mit den Händen gewärmt. Wir haben ein schmerzendes Genick massiert oder haben ein Kind mit streichelnden Händen getröstet und es hat immer geholfen.
Sanfte Berührungen an Babys lösen Wohlbefinden, Bindung an die Eltern und nahestehende Personen aus und sie fördern die Entwicklung. Im Gegensatz dazu werden Babys, die keine zärtlichen Berührungen erfahren, psychisch krank und sind in ihrer Entwicklung längst nicht so positiv und erfolgreich wie die Kinder mit regelmäßigen Berührungen. Ein Streicheln oder einfaches Auflegen der Hände kann Wunder wirken und einen kleinen Schmerz ganz schnell stillen.
Die Haut ist unser größtes Sinnesorgan und nimmt alle Berührungen und Reize auf, ganz gleich welcher Art. Zahlreiche Nervenverbindungen sind an unserem taktilen Empfinden (= bezeichnet die Oberflächensensibilität der Haut, den Tast- und Empfindungssinn) beteiligt.
Diese Reize werden als Nervenimpulse an das Gehirn weitergeleitet. Dort gelangen sie zum limbischen System – auch Gefühlshirn genannt– welches für die emotionale Zuordnung der Impulse zuständig ist. Schnell erfolgt Bewertung und Verarbeitung der angekommenen Gefühle (Assoziation) und schon werden Informationen ausgesendet, die im Körper entsprechende Reaktionen, zum Beispiel Wohlbefinden oder Sicherheit, auslösen.
Bei einer als liebevoll empfundenen Berührung produziert der Körper vermehrt die Hormone Oxytocin (Bindungshormon) und Dopamin (Glückshormon).
Das ist nicht nur bei Babys und Kleinkindern der Fall. Auch Erwachsene reagieren positiv auf Berührung bei körperlichen und psychischen Beschwerden. Berührungen vermitteln Sicherheit. Sie zeigen, dass wir in ein soziales Netzwerk eingebunden sind. Das bestätigte erst kürzlich die Direktorin des Institutes für Medizinische Psychologie der Uniklinik Heidelberg (Focus, 5/2021).
Gerade jetzt, zu Corona-Zeiten, in der möglichst auf Berührungen verzichtet werden soll, wird uns diese Bedeutung immer bewusster. In einem Faktenreport zum Thema „Berührungen“ bestätigten ganze 75% die Aussage:
„Durch die Isolation wegen Covid-19 wird mir bewusst, wie wichtig Körperkontakt für unsere Gesundheit ist.“ (Focus, 5/2021)
ist ein Beispiel für eine wunderbare Behandlungsform, welche mit den Händen und durch Berührung sanfte Heilung und ein positives Körpergefühl vermitteln kann.
Dabei „macht“ der Therapeut oder die Therapeutin „gar nicht viel“, aber genug, um zu helfen.
Durch sanfte Berührungen, zum Beispiel am Kopf, der Wirbelsäule oder dem Steißbein werden Blockaden aufgespürt und gelöst. Die Heilung erfolgt dabei für den Patienten passiv, das bedeutet, dass zielgerichtet auf die Selbstheilungskräfte eingewirkt wird. Obwohl äußerlich nur wenig Aktivität stattfindet, fühlt sich der Patient eventuell nach der Behandlung erschöpft oder kann sogar zum Beispiel mit Empfindungen ähnlich eines Muskelkaters reagieren. Ein Zeichen dafür, dass der Körper die Therapie angenommen hat und gewisse körperliche Veränderungen vorgenommen wurden. Der Körper wird dadurch wieder sanft ins Gleichgewicht gebracht, es entsteht ein besseres Körpergefühl, Blockaden und Bewegungseinschränkungen werden gelöst, Schmerzen werden gelindert.
Die Craniosacrale Therapie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA entwickelt und ist in der Osteopathie begründet. Sie besagt, dass es eine gewisse Beweglichkeit zwischen fest verbundenen Knochen, zum Beispiel am Kopf, gibt. Wirbelsäule und Schädel stehen in unmittelbarem Zusammenhang. Durch den Tastsinn und feines Fühlen können Therapeuten das Pulsieren der Gehirnflüssigkeit, die darin zirkuliert, erspüren und mit der Behandlung positiv auf den Körper einwirken.
Voraussetzung für eine Tätigkeit als Craniosacral-Therapeut ist ein medizinischer Grundberuf wie zum Beispiel der des Heilpraktikers und eine oft langjährige Ausbildung, welche durch zahlreiche Weiterbildungen immer wieder aktualisiert und vertieft wird.
Ihre Veronika Ruml
Heilpraktikerin